Monthly Archive for January, 2009

Die Entscheidung

 

Halt! Hier muss es sein. Diese Tür. Jetzt die Hand auf den Griff legen und öffnen. Nicht abgeschlossen. Nicht auszudenken, wenn sie nicht zu öffnen wäre.

 

Die Treppe aus rotem Sandstein. Jede Stufe in der Mitte ausgetreten. Nicht stehen bleiben. Nicht nachdenken.

 

Die Füße sind müde. Vom langen Gehen müde und schwer .Die Augen: gerade noch offen zu halten. Continue reading ‘Die Entscheidung’

Dazwischen

Dazwischen leben wir:

was wir

mit zwei Händen

fassen können

und was uns

davon

durch die Finger fließt

Start

Die Gegenstände und ich
Jeder kann von sich sagen: Ich bin der, dessen Haut ich trage. Oder ich bin der, zu dem ich werde, wenn ich mich verwandle. Einst der werde, der ich jetzt noch nicht sein kann. Und später kann er sagen: Nun bin ich nicht mehr der, der ich einmal gewesen bin.

Jeder kann denken: Alle Gegenstände sind konstanter vorhanden als ich. Die Taschen, die Mäntel, die Socken, das Bett. Der Tisch, der Schrank, die Straße, das Haus. Aber ich kann sie in ihre Einzelteile zerlegen. Alle Gegenstände in kleinste Teile zersägen. Sie wegwerfen oder zur späteren Umnutzung beiseite legen. Alles Alte soweit verkleinern, dass ich es vergessen kann. Schließlich sogar die kleinsten Reste entfernen, die auch dann noch vorhanden sind, wenn das Übrige schon längst verschwunden ist.

Denn erst dann lassen sich die Augen auf Neues richten. Auf den Himmel, die Menschen, die Schatten, die Finger, das Licht. Die Fenster, die Häuser, die Bücher, die Filme oder auf mich. Und ich kann mich darauf konzentrieren, was einzuhalten und zu überwachen nötig ist: die Temperaturen, Richtlinien, Maschinenkontrolllampen, Abrechnungen, Autorücklichter, Kinder.

Oft ist es von Vorteil, die unscheinbaren Dinge sich in aller Ruhe und deshalb genau anzusehen. Und mit der Raffiniertheit eines Fuchses ihren Geheimnissen auf die Schliche zu kommen, den Wahrheiten, die unter ihren Oberflächen verborgen sind. Mit Sicherheit ist ein solches Betrachten besser, als einen verächtlichen Blick auf sich selbst zu werfen. Die Nutzlosigkeit allen Tuns zu beklagen. Sich grundlos zu richten und die verbleibende Zeit zu vernichten.

Wie viele Möbel auch immer in den eigenen vier Wänden im Wege stehen: Hier will das Ich die einzig bestimmende Größe sein. Es will von sich behaupten können: Hier wird mich kein Gegenstand an der Ausdehnung im Raum hindern können. Hier kann ich von mir behaupten: Ich bin schön, ich bin klug, ich bin gesund. Mir wird schon bald die Gegenwart gehören und sicher auch die Zukunft. Ich noch bin kein alter, in den Keller verbannter Schrank. Noch bin ich kein verschmutzter, nicht mehr zu benutzender Lappen an der Wand. Noch bin ich nicht das letzte vertrocknete Rosenblatt einer längst verwehten Liebe.

Nein, ich bin eine schöne Vase, in die meine eigene Hand frisches Wasser gießt.

Willkommen auf meiner Homepage

Die Gegenstände und ich

Jeder kann von sich sagen: Ich bin der, dessen Haut ich trage. Oder ich bin der, zu dem ich werde, wenn ich mich verwandle. Einst der werde, der ich jetzt noch nicht sein kann. Und später kann er sagen: Nun bin ich nicht mehr der, der ich einmal gewesen bin.

Jeder kann denken: Alle Gegenstände sind konstanter vorhanden als ich. Die Taschen, die Mäntel, die Socken, das Bett. Der Tisch, der Schrank, die Straße, das Haus. Aber ich kann sie in ihre Einzelteile zerlegen. Alle Gegenstände in kleinste Teile zersägen. Sie wegwerfen oder zur späteren Umnutzung beiseite legen. Alles Alte soweit verkleinern, dass ich es vergessen kann. Schließlich sogar die kleinsten Reste entfernen, die auch dann noch vorhanden sind, wenn das Übrige schon längst verschwunden ist.

Denn erst dann lassen sich die Augen auf Neues richten. Auf den Himmel, die Menschen, die Schatten, die Finger, das Licht. Die Fenster, die Häuser, die Bücher, die Filme oder auf mich. Und ich kann mich darauf konzentrieren, was einzuhalten und zu überwachen nötig ist: die Temperaturen, Richtlinien, Maschinenkontrolllampen, Abrechnungen, Autorücklichter, Kinder.

Oft ist es von Vorteil, die unscheinbaren Dinge sich in aller Ruhe und deshalb genau anzusehen. Und mit der Raffiniertheit eines Fuchses ihren Geheimnissen auf die Schliche zu kommen, den Wahrheiten, die unter ihren Oberflächen verborgen sind. Mit Sicherheit ist ein solches Betrachten besser, als einen verächtlichen Blick auf sich selbst zu werfen. Die Nutzlosigkeit allen Tuns zu beklagen. Sich grundlos zu richten und die verbleibende Zeit zu vernichten.

Wie viele Möbel auch immer in den eigenen vier Wänden im Wege stehen: Hier will das Ich die einzig bestimmende Größe sein. Es will von sich behaupten können: Hier wird mich kein Gegenstand an der Ausdehnung im Raum hindern können. Hier kann ich von mir behaupten: Ich bin schön, ich bin klug, ich bin gesund. Mir wird schon bald die Gegenwart gehören und sicher auch die Zukunft. Ich noch bin kein alter, in den Keller verbannter Schrank. Noch bin ich kein verschmutzter, nicht mehr zu benutzender Lappen an der Wand. Noch bin ich nicht das letzte vertrocknete Rosenblatt einer längst verwehten Liebe.

Nein, ich bin eine schöne Vase, in die meine eigene Hand frisches Wasser gießt.